15. Kölner Heimdialysekongress des KfH: Impulse für mehr Heimdialyse

Die Inhalte beim 15. Kölner Heimdialysekongress des KfH: medizinische Spezialthemen, zukunftsweisende Strukturprogramme, neue technische Entwicklungen

Die Heimdialyse in Deutschland ist in Aufbruchstimmung. Fachleute erwarten, dass diese Behandlungsform der Nierenersatztherapie künftig deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Dies ist eine Erkenntnis vom 15. Kölner Heimdialysekongress des KfH am 24./25. April im Kölner Gürzenich. Mit mehr als 20 Fachvorträgen und Workshops zu den beiden Heimverfahren Peritonealdialyse (PD) und Heimhämodialyse (HD) sowie einer Rekordzahl an Teilnehmenden – rund 600 deutsche und internationale Fachleute aus Medizin und Pflege, Patientenvertreterinnen und -vertreter sowie Industriepartner – verzeichnete der zweijährlich stattfindende Kongress eine so große Resonanz wie nie zuvor.

Die Kongressinhalte spannten einen Bogen von medizinischen Spezialthemen über zukunftsweisende Strukturprogramme zur Stärkung der Peritonealdialyse bis hin zu Vorträgen aus der Wissenschaft zu neuen technischen Entwicklungen für eine wasser- und energiesparende Dialysebehandlung mit mobilen Geräten oder zur künstlichen implantierbaren Niere, an der geforscht wird.

Der Kölner Heimdialysekongress des KfH ist die einzige Fachveranstaltung ihrer Art in Europa. Trotz der vielen Vorteile sind Heimdialyseverfahren in Deutschland im internationalen Vergleich bislang unterrepräsentiert. Weniger als sieben Prozent der dialysepflichtigen Menschen behandeln sich selbst zu Hause, unter den mehr als 17.400 KfH-Patientinnen und -Patienten sind es immerhin etwa 9,5 Prozent. Schätzungen zufolge könnte aber etwa ein Drittel aller Personen mit chronischem Nierenversagen, die eine Dialyse benötigen, zu Hause dialysieren.

Patientenwohl sowie ökologische und ökonomische Vorteile

„Das KfH ist für die Heimdialyse in Deutschland Impulsgeber“, sagte der KfH-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. iur. Christian Höftberger in Köln, „Heimdialyse ist kein Nischen-, sondern ein Zukunftsthema.“ Das KfH fördert die Heimdialyse traditionell. Höftberger erinnerte: „Heimdialyse ist unsere DNA, dafür steht das H in unserem ursprünglichen Namen. Wie in unserer Satzung sieht auch der Gesetzgeber die Heimdialyse als erste Behandlungsoption vor.“

Dr. med. Dominik Bös, im KfH Geschäftsleiter zur Förderung und Weiterentwicklung der Heimdialyse, ist zuversichtlich: „Die Heimdialyse in Deutschland nimmt Fahrt auf.“ Zum Wohl der Patientinnen und Patienten, aber auch aus ökologischen und ökonomischen Gründen dürfte sie an Bedeutung gewinnen: Die über das Bauchfell durchgeführte Peritonealdialyse im häuslichen Umfeld gilt als wesentlich klimafreundlicher als die Hämodialyse im Zentrum. Heimdialyse kommt mit weniger Wasser, weniger Energie und ohne Transportemissionen aus – starke Argumente auch angesichts steigender Energiepreise.

Dr. med. Benno Kitsche, über viele Jahre federführend in der wissenschaftlichen Leitung des Kongresses, freute sich in seiner Begrüßung sehr über die Rekordresonanz. Der Kongress zeige als größte Zusammenkunft dieser Art, was möglich ist. Die Idee dazu entstand vor mehr als 30 Jahren durch Dr. med. Michael Nebel, stellvertretender Vorsitzender im KfH-Präsidium und damals leitender Arzt im KfH-Nierenzentrum Köln-Merheim.

Der frühere KfH-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. med. Dieter Bach skizzierte in seinem Vortrag seine Gedanken zur Heimdialyse: Sie sei alterslos – man könne viel von der Kindernephrologie und ihren Strukturen lernen. Das KfH betreut in 17 Kinder- und Jugendnierenzentren den Großteil der dialysepflichtigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die Mehrheit von ihnen wird mit Heimdialyse behandelt. Bach empfahl, statt von Heimdialyse künftig von mobiler Dialyse zu reden, der Trend werde zu Smart Mobile Devices gehen, um Patientinnen und Patienten eine flexible Dialyse und mehr medizinische Qualität zu ermöglichen.

In ihrem Grußwort forderte Prof. Dr. med. Valerie Luyckx, Präsidentin der Interessenvertretung European Kidney Health Alliance (EKHA), weitere Fortschritte für die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten und die Nachhaltigkeit der Dialyse. Das Bündnis von europäischen Patientenorganisationen, Fachleuten aus der Nephrologie und Forschungseinrichtungen, in dem auch das KfH Mitglied ist, leistet europaweit Lobbyarbeit, um Bewusstsein für chronische Nierenkrankheit zu wecken sowie Früherkennung und Prävention zu unterstützen.

Die Nephrologin Dipl.-Med.Heike Martin aus Zwickau stellte in ihrem Eröffnungsvortrag „Respekt als Ressource“ fest, dass die Entscheidung für Heimdialyse keine Frage des verfügbaren Wissens, sondern eine von Sicherheit oder Unsicherheit sei. Eine gute, wertschätzende Kommunikation beinhalte die ärztliche Begleitung bis zur Entscheidung für ein Behandlungsverfahren: „Patientinnen und Patienten wollen gesehen, gehört und verstanden werden.“ Heimdialyse sei eine Vertrauensentscheidung. Kommunikation auf Augenhöhe schaffe dieses Vertrauen. „Gute Medizin beginnt mit Wissenschaft, aber sie gelingt durch Respekt“, gab sie mit auf den Weg.

Fokus auf Kinder und Jugendliche

Den Kongressschwerpunkt Heimdialyse von Kindern und Jugendlichen moderierte Dr. med. Christina Taylan vom KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche in Köln. Der Chirurg und Oberarzt Dr. med. Vladimir Matoussevitch vom Universitätsklinikum Köln referierte über die Herausforderungen der Kinder-Shuntchirurgie vor dem Hintergrund kleiner Gefäße und zeigte verschiedene Studien. Die subkutane arterio-venöse Fistel sollte bis etwa fünf Jahre nicht zum Einsatz kommen, da zwar die Anlage möglich sei, aber nicht die Punktion. Ab etwa 20 Kilogramm Gewicht und mit einem Arteriendurchmesser über einem Millimeter lässt sich mit einem kalkulierten Risiko bei einem Kind eine Fistel anlegen.

Adalbert Natterer, leitende Pflegekraft aus dem KfH-Nierenzentrum Ulm, teilte sein Wissen über die Selbstpunktion und Shuntpflege bei Jugendlichen. Nachdem sie durch Abtasten und Abhören ein Gespür für ihre „Lebensader“ entwickeln, werden ihnen in Ulm neben der Anleitung zum Umgang mit der Kanüle und der technischen Anleitung zur Selbstpunktion auch die Beweggründe für das Erlernen der Selbstpunktion nähergebracht: die Sicherheit im Umgang mit der Krankheit und dem Shunt; die Chance, selbstständig und eigenverantwortlich handeln zu können; weniger Fehlpunktionen und keine Abhängigkeit von Pflegekräften; weniger Schmerzen und Angst bei der Punktion; ein gleichmäßiges Auspunktieren der Shunts; der Stolz, etwas zu können. Um zu motivieren, zeigt Natterer gerne Bilder anderer junger Menschen, die sich selbst punktieren.

Dr. med. Daljit K. Hothi vom Great Ormond Street Hospital in London sprach über die kardioprotektive Behandlung von Kindern, die zu Hause hämodialysieren. Hothi leitet in dem Krankenhaus das größte Heimhämodialyse-Programm für Kinder in Europa. Sie schilderte ein eindrucksvolles Fallbeispiel: Ein krankes Kinderherz erholte sich durch häufigere kürzere und schonendere Dialyse offenbar wieder vollständig.

Schwerpunkt Peritonealdialyse

Im Schwerpunkt zur Peritonealdialyse zeigte PD Dr. med. Kevin Schulte vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel auf, was hinter dem Projekt SKIP-SH (Sektorenübergreifende Koordinierungsstelle zur nachhaltigen Intensivierung der PD in Schleswig-Holstein) steckt, das den PD-Anteil im nördlichsten Bundesland deutlich steigert. Das Projekt setzt auf die Information der Patientinnen und Patienten, eine Vernetzung mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie die stärkere Integration der PD in Lehre und Ausbildung, um alle Studierenden der Humanmedizin damit in Kontakt zu bringen und sogar in virtueller Realität an sich selbst durchzuführen. Inzwischen sind alle nephrologischen Praxen in Schleswig-Holstein in das Projekt eingebunden und es ist ein deutlicher Anstieg der PD-Katheter-Implantationen zu verzeichnen (von ca. 20 auf 400 im Jahr).

Schultes Kollege Dr. med. Thorben Schrumpf schilderte, warum in Kiel die Nephrologie eine Kernkompetenz der Chirurgie, die PD-Katheteranlage, selbst übernimmt. In Deutschland bieten nicht alle Kliniken diesen operativen Eingriff an. Nachdem sie bei Expertinnen und Experten die Technik lernten, umgehen die Nephrologinnen und Nephrologen in Schleswig-Holstein mögliche lange Wartezeiten.

Kranken- und Gesundheitspflegerin Meike Hoffmann zeigte die Perspektive der Pflege im SKIP-SH-Projekt auf. PD-Katheter können in Schleswig-Holstein über eine Webseite angefragt werden, danach folgt ein gemeinsamer Evaluationstermin mit Arzt/Ärztin, Pflege, Patientin/Patient und idealerweise auch Angehörigen. Anschließend werden die Katheter-OP sowie das individuell zugeschnittene Training geplant.

Dr. med. Gero von Gersdorff, Leiter des KfH-Programms Qualität in der Nephrologie (QiN), stellte das in den vergangenen Jahren aufgebaute KfH-PD-Peritonitisregister vor. Dessen Daten ermöglichen PD-Zentren unter anderem Aufschlüsse über das PD-Training für Patientinnen und Patienten und Aspekte der Hygiene. Für die Jahre 2023 bis 2025 liegt nach Daten des Registers die Peritonitisrate im KfH bei 0,236 Ereignissen je Patientin/Patient und Jahr. Damit liegt sie deutlich unter der in der internationalen Leitlinie empfohlenen Rate von weniger als 0,4.

Weitere PD-Themen beim Kongress waren eine Analyse des Rufdiensts in der Peritonealdialyse von PD Dr. med. Christian Albert von der Zentralklinik Bad Berka sowie die ambulante und stationäre Peritonitisbehandlung, zu der Dr. med. Marcus Hiß von der Klinik für Nephrologie und Hochdruckerkrankungen an der Medizinischen Hochschule Hannover referierte.

Schwerpunkt Heimhämodialyse und Shunt

Zum zweiten Heimdialyseverfahren, der Heimhämodialyse, stellte Prof. Dr. med. Markus Hollenbeck, ärztlicher Leiter des KfH-Nierenzentrums Bottrop, das von ihm vorangetriebene und 2021 mit fünf Pilotzentren gestartete Deutsche Shuntregister vor. Ziel dieser Datensammlung ist es, die Funktionsdauer von Shunts zu erfassen und so die Qualität von Dialysezugängen zu sichern und zu verbessern. Inzwischen gibt es in Deutschland 40 von der Deutschen Shuntgesellschaft zertifizierte Shuntzentren, in denen Gefäßchirurgie, Radiologie und Nephrologie eng zusammenarbeiten. Hollenbeck stellte weitere Zahlen vor: Für 2024 liegen im Shuntregister 1.000 Datensätze aus 16 Zentren vor. Rund 85 Prozent der Shunts wurden stationär angelegt, 20 Prozent in Vollnarkose, 60 Prozent am Unterarm. Die Versagensrate lag bei 5 Prozent in den ersten 14 Tagen.

Innovationen für diesen vaskulären Zugang waren das Thema von Prof. Dr. med. Joris Rotmans von der Universität Leiden in den Niederlanden. Er stellte verschiedene, schon mögliche und auch visionäre Ansätze vor. Beispielsweise kann inzwischen ein Stützimplantat auf Netzbasis an der Verbindung von Arterie und Vene beim Shunt zu einer Verbesserung der Reifung beitragen. In der Entwicklung sind verschiedene Schutzvorrichtungen gegen das Durchstechen des Gefäßes bei der Shuntpunktion. Rotmans zeigte auch ein Konzept für eine dynamische arteriovenöse Fistel. Das bereits im Tierversuch erprobte, implantierbare Gerät lässt den für die Dialyse notwendigen hohen Blutfluss nur während der Zeit der Behandlung zu und wirkt daher shuntschonend.

Vom Einsatz des mobilen Hämodialysegeräts eines französischen Herstellers in einem Pilotprojekt berichtete Prof. Dr. med. Andreas Kribben, Direktor der Klinik für Nephrologie am Universitätsklinikum Essen und dort auch ärztlicher Leiter des KfH-Nierenzentrums. Das Gerät, ein Würfel mit circa 40 Zentimeter Kantenlänge und 25 Kilogramm Gewicht, verfügt über ein leicht bedienbares Kassettensystem, lässt sich an eine gängige Schukosteckdose anschließen und benötigt keine weiteren Installationen. Wie Kribben berichtete, lagen die Schwierigkeiten in dem Projekt eher im organisatorischen Bereich: Datenschutz, Abrechnung ambulanter Behandlung im Krankenhaus, Haftungsaspekte, Fragen des Controllings. Demgegenüber stünden zufriedene Patientinnen und Patienten, für die mit Selbstpunktion und diesem Gerät Hämodialyse „zu jeder Zeit, an fast jedem Ort“ möglich ist. Seit Dezember 2025 wird das Gerät im KfH in den Pilotzentren Köln-Lindenthal und Erding/Freising getestet.

Innovationen in der Heimdialyse

Weitere gerätetechnische Innovationen wurden von der Forschung aus den Niederlanden und Kanada vorgestellt. Prof. Dr. med. Karin Gerritsen vom University Medical Center aus Utrecht referierte zum Thema „Von tragbarer zu implantierbarer Dialyse“. In den Niederlanden wird an tragbaren Peritoneal- und Hämodialysegeräten im Miniaturformat geforscht. Erste Geräte mit einem Gewicht von 2,5 Kilogramm (PD) und 13 Kilogramm (HD) sind bereits in der Entwicklung und wurden 2024 erstmals am Menschen getestet. Die Markteinführung sei in zwei Jahren geplant, so Gerritsen. Dabei geht es auch um die Dialysatregeneration mithilfe von Sorbentien (Materialien, die Flüssigkeit aufnehmen und halten). Sie reinigen verbrauchtes Dialysat kontinuierlich, sodass es im Kreislauf wiederverwendet und Wasser gespart werden kann. Zum Ende ihres Vortrags riss sie auch Zukunftsvisionen wie in den Körper implantierbare Systeme an, die bei der Hämodialyse keine Nadeln mehr benötigen.

Prof. Dr. med. William Fissell von der University of Alberta in Edmonton vertiefte dieses Thema und stellte fest: „Die implantierbare künstliche Niere ist auf dem Weg.“ Fissell verglich die Geschichte der Weiterentwicklung und Verkleinerung von Dialysemaschinen mit derjenigen von Defibrillatoren – das verlief lange zeitgleich, doch anders als bei Defibrillatoren, die inzwischen im Miniaturformat eingepflanzt werden können, gibt es heute noch keine implantierbare künstliche Niere. Wissenschaftler wie er arbeiten weiter an einem implantierbaren Gerät, das dauerhaft entgiftet, nicht nur dreimal in der Woche, und so schonender arbeitet. Bestandteile sind ein Hämofilter und ein Bioreaktor, für den Nieren-Tubuluszellen auf Silizium-Nanotechnologie wachsen sollen. Fissel stellte ermutigende Nachrichten aus einem Tierversuch vor; dabei liefen sogar wenige Tropfen Urin in die Blase des Tieres. Der Wissenschaftler hofft, dass Dialysemaschinen irgendwann reif fürs Museum sind, der Weg dorthin sei aber noch lang.

Zugeschaltet per Video war Prof. Dr. Fokko Wieringa aus Utrecht, Experte für Medizintechnologie vom Interuniversity Microelectronics Centre (IMEC). Er berichtete vom EU-Projekt KIDNEW, das eine künstliche Niere entwickeln möchte, und skizzierte Szenarien. Ein Grundproblem der Dialyse sei die viele dafür notwendige Flüssigkeit, die auch die Mobilität sehr einschränke. Wieringa setzt darauf, dass Nanotechnologie und Biologie gemeinsam eine Lösung für die künstliche Niere finden. Forscherinnen und Forscher aller Länder sollten zusammen daran arbeiten, die Politik müsse die Notwendigkeit dazu kommunizieren.

Podiumsdiskussion zum Dialysezugang

Die von Dr. med. Frank Merkel, leitender Arzt im KfH-Nierenzentrum Köln-Merheim, moderierte Podiumsdiskussion drehte sich um den Dialysezugang aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer. Die Eingangsfrage: Ist der Zugang die Achillesferse für die Wahl des Heimverfahrens? KfH-Heimdialyse-Geschäftsleiter Dr. med. Dominik Bös monierte, dass nicht alle Kliniken anbieten, einen Katheterzugang für die PD zu legen. Aus diesem Grund werden Patientinnen und Patienten zu Hämodialyse und Shunt umgeleitet. Gerade für ältere und weniger mobile Patientinnen und Patienten müssten hier individuelle Lösungen gefunden werden. Shuntexperte Prof. Dr. Markus med. Hollenbeck legte den Finger in die Wunde: Nähme man für die Heimhämodialyse weiterhin nur die Jüngeren, werde man den Heimdialyseanteil nicht steigern können. Schwierig sei auch, dass 80 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einem zentralen Venenkatheter die Dialyse beginnen. Er wies auch darauf hin, dass ein Dialyseshunt bei Heimdialyse wegen der Selbstpunktion besonders gut sein müsse. Dr. med. Christina Taylan von der Uniklinik Köln und dem dortigen KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche berichtete über die gemeinsame Entscheidungsfindung von Gefäßchirurgie und Nephrologie. In Köln kann nach sorgfältiger Ultraschalluntersuchung und Vorbereitung innerhalb von wenigen Tagen ein Shunt angelegt werden. Die Kölner Chirurgin Dr. med. Simone Seefeldt berichtete von ihren Erfahrungen bei der Implantation von PD-Kathetern: Lukrativ sei die OP für die wenigsten Krankenhäuser, sollte aber im Sinne einer ganzheitlichen Versorgung angeboten werden. Für Patientenvertreterin Stefanie Neuhäuser vom Bundesverband Niere e.V. stand zu Beginn ihrer Dialysepflichtigkeit angesichts weniger gut geeigneter Gefäße vor allem die Frage des Orts für den Shunt im Raum. Ihrer lag am Ende am rechten Oberarm, obwohl sie Rechtshänderin ist; inzwischen ist sie nierentransplantiert. Neuhäuser findet, es sollte frühzeitig über die Option der Selbstpunktion für die Heimdialyse geredet und bedacht werden, dass Patientinnen und Patienten sich zu Beginn in einer Extremsituation befinden. Man brauche Zeit, um die bald beginnende Dialyse zu verdauen, sei im Arztgespräch nicht immer optimal aufnahmefähig, brauche mehrere Anläufe, um alle Informationen verarbeiten zu können. Der Austausch mit anderen Menschen in der Selbsthilfe habe ihr enorm geholfen. Wie wichtig gute Beratung sein kann, schilderte Patientin Anita Hoffmann. Sie entschied sich für die Peritonealdialyse, nachdem eine darauf spezialisierte Pflegefachkraft sie zu Hause besucht und ihr alles erklärt hatte. Jörg Rockenbach, Vorsitzender des deutschlandweiten Netzwerks Heim Dialyse Patienten e.V., hat nach mehr als 20 Jahren Hämodialyse immer noch den ersten Shunt und illustrierte, wie wichtig es als Patient/Patientin ist, sich mit anderen Betroffenen unterhalten zu können.

Symposien und Workshops

Die „Qual der Wahl“ hatten die Teilnehmenden am praxisnahen Morgen des zweiten Tags, sie mussten sich erst zwischen zwei Frühsymposien und anschließend vier Workshops entscheiden. In den Symposien ging es zum einen um Telemedizin in der Peritonealdialyse, wo Nephrologin Dr. med. Sibille Tröster und Dialysefachschwester Jana Schmidt vom MVZ Nierenzentrum Ammerland zeigten, wie digitale Lösungen einen Mehrwert für Patientin/Patient und Behandlungsteam schaffen können. Zum anderen standen Impfstrategien bei chronischer Nierenkrankheit mit den Expertinnen PD Dr. med. Uta Kunter vom Universitätsklinikum Aachen und Dr. med. Uta Groger, Fachärztin für Allgemeinmedizin aus Bielefeld, auf dem Programm. Sie zeigten Fallbeispiele, unterstrichen die Bedeutung von Impfungen wie gegen Gürtelrose und RSV und gaben praktische Tipps, etwa für Kanülen.

Anschließend gaben zwei der Workshops hilfreiche Informationen zur Etablierung der Heimverfahren in einem Nierenzentrum. Zur Peritonealdialyse referierten Dr. med. Dominik Bös, leitender Arzt KfH-Nierenzentrum Köln-Lindenthal, und Simone Mas Casellas, Pflegekraft mit Schwerpunkt PD vom KfH-Nierenzentrum Dillingen, zur Heimhämodialyse von den KfH-Nierenzentren Erding und Freising die ärztlichen Leiterinnen Dr. med. Lavinia-Cosima Lenhardt und Dr. med. Reka Wörner sowie Johann Walcher, Pflegekraft mit Schwerpunkt HHD. Die beiden weiteren Workshops behandelten die Selbstpunktion bei HHD mit Patientenvertreterin Stefanie Neuhäuser und das „Body Composition Measuring“, die Überwachung der Körperzusammensetzung, mit Prof. Dr. med. Rainer Büscher vom Universitätsklinikum Essen.

Heimdialysepreis für KfH-Nierenzentrum Neuwied

Erstmals verlieh das KfH beim Kongress den Heimdialysepreis „Team Engagement“ an eines seiner Zentren. Bei der Premiere wurde speziell die Teamleistung ausgezeichnet: Preisträger ist der KfH-Standort Neuwied bei Koblenz. Das Team um Dr. med. Kristina Streeck hatte im Jahr 2020 ohne bestehende Heimdialysestrukturen begonnen und betreut heute zehn Heimdialysepatientinnen und -patienten mit der Peritonealdialyse. Gelungen ist dies, indem für die Betreuung gemeinsam eigene Schulungs- und Arbeitsmaterialien entwickelt wurden sowie durch eine besonders praxisnahe, persönliche Aufklärung, um mehr Sicherheit und Routine bei der Dialyse zu Hause zu vermitteln. Durch enge interne Zusammenarbeit und eine aktive Vernetzung mit dem kooperierenden Krankenhaus konnte eine kontinuierlich wachsende Heimdialyseversorgung aufgebaut werden.

Heimdialyse ist Gemeinschaftsaufgabe

Das Schlusswort in Köln hatte Prof. Dr. med. Lutz Weber aus der wissenschaftlichen Leitung des Kongresses. Der ärztliche Leiter des KfH-Nierenzentrums für Kinder und Jugendliche in Köln ist auch Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN) und appellierte, Heimdialyse als Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen und vorhandene Expertise innerhalb und außerhalb des KfH zu teilen. Der Heimdialysekongress trage dazu seinen Teil bei.

09:30 Uhr
Eröffnung
Dr. Benno Kitsche, Köln

09:40 Uhr
Gedanken zur Heimdialyse
Prof. Dr. Dieter Bach, Neu-Isenburg

09:50 Uhr
Grußwort EKHA
Prof. Dr. Valerie Luyckx, Präsidentin EKHA, Brüssel/B

10:00 Uhr
Eröffnungsvortrag
Respekt als Ressource – Warum wertschätzender Umgang die beste Medizin ist
Dipl.-Med. Heike Martin, Zwickau

10:30 Uhr
Pause, Besuch des Partnerforums

11:00 Uhr | Session Kinder und Jugendliche

11:00 Uhr
Shunt Anlage bei Kindern – wie klein kann ein Gefäß sein?
Dr. Vladimir Matoussevitch, Köln

11:30 Uhr
Der Weg zur Selbstpunktion – Shuntpflege vom 1. Tag an
Adalbert Natterer, Ulm

12:00 Uhr
Stabilization of cardiac function in children on home hemodialysis
Dr. Daljit K. Hothi, London/UK

12:30 Uhr
Pause, Besuch des Partnerforums

13:15 Uhr | Session Peritonealdialyse I

13:15 Uhr
Eine Lösung für ein ganzes Bundesland – SKIP-SH, wo stehen wir 2026?
PD Dr. Kevin Schulte, Kiel

13:45 Uhr
PD-Katheter legen bei uns die Nephrologen – Daten 2023-2026
Dr. Thorben Schrumpf, Kiel

14:15 Uhr
PD³: Peritonealdialyse, Pflege, Perspektiven – Impulse aus Kiel
Meike Hoffmann, Kiel

14:45 Uhr
Pause, Besuch des Partnerforums

15:00 Uhr | Session Innovationen Heimdialyse

15:00 Uhr
Dutch initiatives: from portable to implantable dialysis
Prof. Dr. Karin Gerritsen, Utrecht/NL

15:30 Uhr
The implantable artificial kidney is on its way!
The Kidney Project USA
Prof. Dr. William Fissell, Alberta/CA

16:00 Uhr
Künstliche Organe aus Europa (Bericht von der ESAO)
Prof. Dr. Fokko Wieringa, Utrecht/NL

16:30 Uhr
Pause, Besuch des Partnerforums

17:00 Uhr | Podiumsdiskussion

Dialysezugang – aus Sicht der „Nutzer“
Moderation: Dr. Frank Merkel, Köln

18:30 Uhr
Get-together im Gürzenich Ballhaus von 1447 und heute die "gute Stube" von Köln (Veranstaltungsort)

Das Programm des 15. Kölner Heimdialysekongresses des KfH können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

08:00 Uhr Frühsymposium (Veranstalter: Vantive Health Germany GmbH)
Telemedizin in der Peritonealdialyse - Sharesource, die Verbindung zwischen Patienten und Behandlungsteam
Dr. Sibille Tröster, Jana Schmidt, beide Westerstede

08:00 Uhr Frühsymposium (Veranstalter: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG)
Impfstrategien bei chronischer Nierenkrankheit: Impfungen bei CKD, Dialysepflicht und Transplantation
PD Dr. Uta Kunter, Aachen
Impfmanagement an der Schnittstelle zwischen Nephrologie und Allgemeinmedizin
Dr. Uta Groger, Bielefeld

09.00 Uhr | Workshops

Peritonealdialyse im Zentrum neu etablieren – wie geht das?
Dr. Dominik Bös, Köln
Simone Mas Casellas, Dillingen
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Heimhämodialyse im Zentrum neu etablieren – wie geht das?
Dr. Lavinia-Cosima Lenhardt,
Dr. Reka Wörner,
Johann Walcher, alle Freising
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Selbstpunktion bei HHD – so geht das 
Stefanie Neuhäuser, Köln
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Body Composition Measuring - nur Haut und Knochen und das bisschen Wasser?
Prof. Dr. Rainer Büscher, Essen 
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10:00 Uhr
Pause, Besuch des Partnerforums

10:30 Uhr | Session Heimhämodialyse und Shunt

10:30 Uhr
Mobile Heimhämodialyse in Deutschland – eine Uni handelt
(1. Physidia-Projekt in Deutschland)
Prof. Dr. Andreas Kribben, Essen

11:00 Uhr
Shunt - Innovations in the field of vascular access – opportunities for home haemodialysis
Prof. Dr. Joris Rotmans, Leiden/NL

11:30 Uhr
Das deutsche Shuntregister
Prof. Dr. Markus Hollenbeck, Bottrop

12:00 Uhr
Pause, Besuch des Partnerforums

13:00 Uhr | Session Peritonealdialyse II

13:00 Uhr
KfH-Peritonitisregister – Datenvorstellung
Dr. Gero von Gersdorff, Köln

13:30 Uhr
Rufdienst in der Peritonealdialyse – analysiert
PD Dr. Christian Albert, Bad Berka

14:00 Uhr
Peritonitisbehandlung, wann ambulant – wann stationär?
Dr. Marcus Hiß, Hannover

14:30 Uhr
Zusammenfassung und Verabschiedung
Prof. Dr. Lutz Weber, Köln

Das Programm des 15. Kölner Heimdialysekongresses des KfH können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

PD Dr. med. Christian Albert
Leitender Oberarzt für Innere Medizin und Nephrologie an der Zentralklinik Bad Berka

Prof. Dr. med. Dieter Bach
KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V., Neu-Isenburg

Dr. med. Dominik Bös
KfH-Geschäftsleiter Heimdialyse, leitender Arzt KfH-Nierenzentrum Köln-Lindenthal

Prof. Dr. med. Rainer Büscher
leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Essen, ärztlicher Leiter KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche Essen

Prof. Dr. med. William Fissell
Prof. Dr. med. William Fissell, Division Director, Nephrology, University of Alberta, Edmonton/CA

Prof. Dr. med. Karin Gerritsen
Associate Professor für Nephrologie und Hypertension am University Medical Center Utrecht/NL

Dr. med. Gero v. Gersdorff
Leiter der QIN-Gruppe, Universitätsklinikum Köln

Dr. med. Uta Groger
Fachärztin für Allgemeinmedizin, Bielefeld

Dr. med. Marcus Hiß
stellvertretender Klinikdirektor, Oberarzt in der Klinik für Nephrologie und Hochdruckerkrankungen an der Medizinischen Hochschule Hannover

Meike Hoffmann
Kranken- und Gesundheitspflegerin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Prof. Dr. med. Markus Hollenbeck
ärztlicher Leiter KfH-Nierenzentrum Bottrop

Dr. med. Daljit K. Hothi
Consultant Paediatric Nephrologist, Clinical lead for Home HD at Great Ormond Street Hospital for Children NHS Foundation Trust, London/UK

Dr. med. Benno Kitsche
Nephrologe, Verantwortlicher Organisator 15. Kölner Heimdialysekongresses des KfH, Mitglied Steuerungsteam NADia (Netzwerk assistierte Dialyse), Köln

Prof. Dr. med. Andreas Kribben
Direktor der Klinik für Nephrologie am Universitätsklinikum Essen, ärztlicher Leiter KfH-Nierenzentrum Essen

PD Dr. med. Uta Kunter
Stellvertretende Klinikdirektorin der Medizinischen Klinik II, Nephrologie und Klinische Immunologie, Universitätsklinikum Aachen

Dr. med. Lavinia-Cosima Lenhardt
ärztliche Leiterin, KfH-Nierenzentren Erding und Freising

Prof. Dr. med. Valerie Luyckx
Präsidentin der European Kidney Health Alliance (EKHA), Brüssel/B, Universität Zürich, Zurich Kidney Center, Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention (EBPI), Zürich/CH

Simone Mas Casellas
Pflegekraft mit Schwerpunkt PD, KfH-Nierenzentrum Dillingen

Dipl. med. Heike Martin
Nephrologisches Zentrum Zwickau, stellv. Vorstandsvorsitzende Verband Deutsche Nierenzentren e.V.

Dr. med. Vladimir Matoussevitch
Geschäftsführender Oberarzt, Leiter Vascular Access Unit, Universitätsklinikum Köln, Endovaskulärer Chirurg, Schwerpunkt Shunt-Chirurgie

Dr. med. Frank Merkel
Nephrologe und leitender Arzt KfH-Nierenzentrum Köln-Merheim

Adalbert Natterer
Leitende Pflegekraft, KfH-Nierenzentrum Ulm

Dr. med. Michael Nebel
Stellvertretender Präsidiumsvorsitzender, KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V., Köln

Ass. jur. M.A. Stephanie Neuhäuser
Juristin und ehemalige HHD-Patientin, Vorstandsmitglied Bund Niere e.V., Bereichsleiterin Heimdialyse, Shunt und Social Media, Köln

Prof. Dr. med. Joris Rotmans
Professor Internal Medicine in particular Technical Innovations for Patients with Kidney Diseases, Universität Leiden, Leiden/NL

Jana Schmidt
Dialysefachschwester, MVZ Nierenzentrum Ammerland, Westerstede

Dr. med. Thorben Schrumpf
Oberarzt, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

PD Dr. med. Kevin Schulte
Stellvertretender Klinikdirektor, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Dr. med. Christina Taylan
Universitätsklinikum Köln, KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche Köln

Dr. med. Sibille Tröster
Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie, MVZ Nierenzentrum Ammerland, Westerstede

Prof. Dr. med. Lutz T. Weber
Leiter Kindernephrologie Universitätsklinikum Köln, ärztlicher Leiter KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche Köln, Vorstandsvorsitzender GPN Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie e.V.

Johann Walcher
Pflegekraft, KfH-Nierenzentren Erding und Freising

Prof. Dr. Fokko Wieringa
Professor Medical Technology, Principal Scientist at IMEC, Member KHI & Chair WG “Breakthrough Innovation” of the European Kidney Health Alliance (EKHA), Board Member Willem Kolff Foundation, Utrecht/NL

Dr. med. Reka Wörner
ärztliche Leiterin, KfH-Nierenzentren Erding und Freising

Videos & Folien der Kongresse (nur für Teilnehmende)

Herzlich willkommen...

Impressionen sowie die Programme vergangener Heimdialysekongresse finden Sie hier:

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Bildnachweis (Hintergrund-Video): © Koelncongress, visuell verändert und animiert mit KI
Bildnachweis (Veranstaltungsfotos Heimdialysekongresse 2018-2026): N. Krütt-Hüning

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